Die Pferde stehen im Zug bereit - es wartet
der Knecht, der getreue. Zehn Menschen im Wagen - schon weiß
- Der Atem der Münder gefriert zu Eis, Und ich steh noch,
als ob mich's gereue.
Da hält mich des Mannes Arm umspannt - Er
weiß um alle Gefahren. Ich bleibe hier bis zur letzten
Stund. Reich mir noch einmal deinen Mund - Es mög euch der
Herrgott bewahren.
Im
Treck
Wir sehen den Weg von uns nicht mehr - so stäubt
der Schnee. Nun fahren wir seit Tag und Nacht - reglos und
starr von Kälte. Nur inmitten der Brust da glüht ein
Schmerz - Es ist wohl das gejagte, wehrlose Herz, Das da
bangt, daß das Leben der Kinder vergeh.
Wir sind ohne Dach. Sie liegen zwischen
Kisten und Kästen zugedeckt. Alles ist weiß. Man sieht
kein Gesicht - leis ruf ich sie an - Vom vordersten Wagen
legten sie gestern das Jüngste hinab - In einem fremden
Dorf - bekommt doch ein christliches Grab. Die Mutter durfte
nicht warten - es wurde weiter getreckt.
Die Telegraphenmasten surren - hie und da
knarrt ein Rad - und die Stute schnaubt. Sie sagen, die
Panzer seien dicht hinter uns - nun hält uns Angst
umkrallt. Wir finden keine Kraft zum Gebete - Wir sind Blätter,
die der Wind verwehte - Wir fahren ins Nichts, der sicheren
Heimstatt beraubt.
Kein Stern am nächtlichen Himmel - nur weiße
Düsternis überall. Kein Mensch, der uns fragt. Es ist, als
seien wir vom Aussatz befallen. Sahen wir am Weg auch nur
eine helfende Hand - ? Wo sind wir denn ? - Doch im eigenen
Land - ! O, daß uns einer erlöse von dieser Qual !
Der Treckführer watet schweigend die Wagen
entlang. Sein junges Weib liegt seit Tagen schon in den
Wehen - Aber sie sagt, sie wolle lieber verderben Wie fremd
in einem fremden Krankenhaus sterben. War eine Frau, die fürs
Leben gern lachte und sang.
Mählich dämmert es - Die beiden Wallache
schlafen im Schritt. Jäh schrecken sie auf - hinter uns
fiel ein Schuß. Ach, könnte ich doch die Decke über den
Kindern heben Und sehen, ob sie noch atmen und leben - Ich
weiß, der Tod - der Tod reitet mit.
In
der Fremde
Still gehen wir von Haus zu Haus - von Tür
zu Tür um Nachtquartier. Den Blick der Pferde - ich kann
ihn nicht sehen - Dueses stumme, hilflose, leidende Flehn -
Ich sag es dem Bauern - der doch lacht, Und die offene
Stalltür wird zugemacht. Heute begriff ich zum erstenmal
den Haß der Armen - ihre wehrlose Qual.